Die blau-schwarze Geschichte
Vom Kennen lernen bis zum ersten Lager im Rahmen eines Mittelaltermarktes

  Alles begann am 12. Juni 2004, als in Nienburg das Wirtshaus „Zum schwarzen Keiler“ eröffnete. Dort lernte sich nach und nach ein seltsamer Haufen kennen. Aus Fremden wurden Freunde und diese Freunde entdeckten bzw. vertieften gemeinsam ihre Liebe zum Mittelalter.  
  Zu Anfang sahen wir noch wie „zivile“ Besucher von Mittelaltermärkten aus. Doch schnell reichte uns das nicht mehr. Nach und nach wurden Kleidung und andere „Deko“-Sachen gekauft. Neben dem geliebten Flachstahl für die Hüfte legten sich einige Herren einen blau-schwarzen Wappenrock zu.  
  „Wie sollen wir uns nennen?“ „Wollen wir uns ein Wappen zulegen?“ „Egal, überlegen wir uns später. Zumindest kann man uns erst einmal als Gruppe erkennen.“  
  Jetzt sahen wir herrlich bunt aus und irgendwie passte es auch zu der geliebten Thematik Mittelalter. ABER auch das reichte bald nicht mehr aus. Da wir überwiegend nicht zu den Zartelfen zählen, schlossen die Damen schon einmal Höllenfensterkleider & Co. aus. Es wurde hin und her überlegt, diskutiert und so mancher Becher Met vernichtet bis man sich einigte: 1180 klingt gut, daran wollen wir uns orientieren. Dies hieß und heißt nun Arbeit. Auch die Herren waren schnell überzeugt. Prima, da brauchen wir keine Vollplatte; Kette reicht, das spart Geld. Ach ja?! Welche Kleidung trug man zu der Zeit? Was für Farben waren erlaubt? Wie lang sollte die Tunika der Herren sein?  
  Unsere Bambi alias Silvia kristallisierte sich als Herrin über Nadel und Faden heraus. Viele unserer Kleidungsstücke sind ihrer Arbeit zu verdanken. Zu manch einer Gelegenheit wurde von ihr eine Nachtschicht eingelegt, damit jemand von uns „anständig“ am nächsten Tag gewandet war.  
  Der Besuch von verschiedenen Märkten im Jahr war zur wunderbaren Sache geworden und alle merkten wir: Da muss es noch mehr geben! Doch sollten wir den Schritt wagen? Jeder von uns begann zu schauen: Was kostet so ein Zelt? Was benötigt man noch, um ein Lager aufbauen zu können?  
  Im Winter 2006 führte Silvia mit ihrer Nähmaschine ein ernsthaftes Zwiegespräch. Sie rechnete hin, sie rechnete her und bekam einen ausgewachsenen Sockenschuss => Ich nähe mir ein Zelt! Ich nähe mir ein großes Zelt, damit all meine Freunde darin einen Schlafplatz haben.  
  Bei eBay fand sie die richtigen Stoffe. Blau und schwarz waren weit günstiger als natur. Hey, sind das nicht die Farben, die uns bereits kenntlich machen? (Einen Namen hatten wir immer noch nicht gefunden!) Es kam wie es kommen musste. Die „moderne“ Nähmaschine gab den Geist auf. Dieser Stoff war zu viel für sie! Es musste eine andere her. Die Idee sollte nicht aufgegeben werden. Also ersteigerte Silvia kurzerhand bei Ebay eine Nähmaschine für die moderne Hausfrau von 1950. Siehe da, es funktioniert! Eben alles nur eine Frage der Technik. Als erstes wurde das größte Zimmer ausgeräumt. Jörg kümmerte sich mit Papa um die Holzarbeiten. Silvia trat ins Nähpedal, Mama zog und zum Schluss schob Jörg ihr die Stoffberge in Millimeterarbeit über die Schulter durch die Nadel. Dutzende von Knebeln und Schlaufen rundeten die Konstruktion ab.  
  Nach Monaten der Arbeit voller Hoffnung, Verzweiflung und zahlreichen Anranzern war es zur allgemeinen Erleichterung und Freude endlich soweit: Wir versammelten uns bei Fred im Garten und bestaunten das Zelt! Ganz nebenbei war auch unser Banner entstanden. Buchstäblich die letzten Stücke der seitlichen Zaddeln waren zur Zierde der Zeltspitze zusammengesetzt worden. Damit hatten wir endlich einen Namen gefunden: Das blau-schwarze Banner. Natürlich war das Wetter auf unserer Seite. Pünktlich mit Beginn des ersten Aufbauens begann es zu regnen und zu stürmen. Doch nichts konnte uns jetzt davon abhalten dieses Zelt aufzustellen.  
  Es steht!! Ein großes blau-schwarzes Zelt.  
  Im April 2007 folgten die ersten Nächte im Zelt im Heerlager zu Henstedt. Nun wussten wir: Es steht, es bleibt stehen und man kann prima drin schlafen.  
  Als nächstes standen Tische, Bänke, Truhen, Essgeschirr sowie Bestecke, Töpfe und Pfannen auf unserer Wunschliste. Ein großes Sonnensegel können wir jetzt ebenfalls aufstellen. Das auch dies nicht von heut auf morgen ging, müssen wir hier nicht extra erwähnen.  
  Unser erstes Lager mit mehr oder weniger allem drum und dran war im Juli 2007 das Mittelalterspectaculum in Bückeburg. Ein Markt wie er schöner nicht sein könnte: Nette Leute, viele Händler, tolle Künstler und Musiker auf den Bühnen. Aber leider auch ein Wetter, das chronisch vor sich hin regnete oder nieselte sowie die Erfahrung, dass nasses Holz irgendwann doch brennt und unser Essen warm macht.  
  Wenn es eine Moral von diesem Markt gibt,... Wir sind jetzt noch mehr von unserem Hobby überzeugt als vorher und haben viele Ideen, was wir noch machen können.  
  So ist aus einer netten Idee ein allgemeiner Sockenschuss mit kontinuierlichem Verbesserungswahn geworden. Diagnose: Patienten schwer infiziert; derzeit nicht heilbar!  
  Übrigens: Seit Anfang 2008 existiert ein zweites Zelt. Nein, diesmal ohne episches Drama; Susan und Thorsten haben es nähen lassen!